Landesmusikrat Brandenburg zu Fachgespräch in den Landtag eingeladen
Am 15. April 2026 wurde der Landesmusikrat Brandenburg (LMR) zu einem Fachgespräch mit dem Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur (AWFK) in den Landtag Brandenburg eingeladen. Im Dialog mit Vertreter:innen der Fraktionen sowie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) brachte der LMR aktuelle Herausforderungen und Handlungsbedarfe für das Musikleben im Land Brandenburg ein.
Ein zentrales Thema war die musikpädagogische Nachwuchsförderung. Bundesweit sind die Bewerber:innenzahlen für das gymnasiale Lehramt Musik in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während gleichzeitig ein erheblicher Fachkräftemangel absehbar ist – insbesondere an Musikschulen. Ursachen sind unter anderem hohe Arbeitsbelastung, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und begrenzte Entwicklungsperspektiven. Der LMR setzt sich daher für bessere Rahmenbedingungen ein, darunter planbare Beschäftigung, angemessene Vergütung, eine stärkere Durchlässigkeit von Ausbildungswegen sowie die strukturelle Stärkung musikalischer Bildung in Schule und Gesellschaft.
Auch die Situation der aktuellen Musik (Neue Musik und Jazz) steht im Fokus. Die Nachfrage nach Fördermitteln übersteigt das vorhandene Budget deutlich: Bei einem Fördervolumen von 170.000 Euro stehen Anträge von über 437.000 Euro gegenüber, sodass weniger als die Hälfte der Projekte berücksichtigt werden kann. Zudem führen Kürzungen der bewilligten Mittel zu erheblichen Einschränkungen in der Umsetzung. Ein strukturelles Problem liegt in den aktuellen Förderrichtlinien, die es Solo-Selbstständigen nicht ermöglichen, eigene künstlerische, organisatorische oder leitende Leistungen abzurechnen. Der LMR empfiehlt daher eine Überarbeitung der Richtlinien. Darüber hinaus wird eine deutliche Aufstockung der Mittel gefordert, um die Vielfalt der aktuellen Musik im Land zu sichern. Auch in der Kleinstprojektförderung besteht Handlungsbedarf, da verzögerte Bewilligungen derzeit Projekte verhindern und Planungssicherheit fehlt. Im Zuge der GEMA-Reform wird zudem ein stärkerer Schutz für die Vielfalt der aktuellen Musik als notwendig erachtet.
Ein weiteres Thema ist der Theater- und Orchesterrahmenvertrag (TORV), der seit 2019 eine wichtige Grundlage für die Kulturfinanzierung in Brandenburg bildet. Der LMR begrüßt diese Struktur, sieht jedoch Weiterentwicklungsbedarf. So liegt die Orchesterdichte im Land weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt, weshalb zusätzliche Planstellen notwendig sind. Der LMR empfiehlt zudem, den kulturellen Bildungsauftrag stärker im TORV zu verankern sowie weitere Orchester, wie das Preußische Kammerorchester und das Brandenburgische Konzertorchester Eberswalde einzubeziehen. Auch die Angleichung der Vergütung an bundesweite Tarifstandards sollte konsequent fortgeführt werden, um langfristige soziale Absicherung zu gewährleisten.
Abschließend thematisiert der LMR die geplante Reform des Statusfeststellungsverfahrens für Selbstständige im Musikbereich ab 2028. Der LMR fordert klare und praxistaugliche Abgrenzungskriterien sowie Rechtssicherheit für die Betroffenen. Künstlerische Zusammenarbeit muss als eigenständige und schützenswerte Form der Erwerbstätigkeit anerkannt werden. Hybride Erwerbsformen, die für viele Musiker:innen zwischen selbstständiger und angestellter Tätigkeit bestehen, sollen möglich sein. Zudem sollten Sonderregelungen etwa für Lehrbeauftragte an Hochschulen berücksichtigt werden.
Mit seinen Beiträgen im Fachgespräch unterstreicht der Landesmusikrat Brandenburg seine Rolle als zentrale Interessenvertretung des Musiklebens im Land und als wichtiger Partner im kulturpolitischen Dialog. Ziel bleibt es, die Rahmenbedingungen für musikalische Bildung, künstlerische Praxis und kulturelle Teilhabe nachhaltig zu stärken.