Her­ren­berg-Ur­teil

Das Her­ren­berg-Ur­teil be­schäf­ti­gt sich mit der So­zi­al­ver­si­che­rung von Mu­sik­lehr­kräf­ten an Mu­sik­schu­len. Mit dem Ur­teil stell­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Jahr 2022 fest, dass an Mu­sik­schu­len die Rah­men­be­din­gun­gen für eine un­ter­neh­me­ri­sche Tä­tig­keit nicht ge­ge­ben sind. Die Kon­se­quenz dar­aus ist, dass eine Be­schäf­ti­gung von frei­schaf­fen­den Mu­sik­schul­lehr­kräf­ten, wel­che auf Ho­no­rar­ba­sis be­zahlt wer­den, rechts­wid­rig wird. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ho­no­rar­be­schäf­ti­gung sind im Som­mer 2023 noch­mals ver­schär­ft wor­den. Vie­le Kom­mu­nen mus­s­ten seit­dem hohe Stra­fen zah­len. So stei­gt der Druck auf Mu­sik­schu­len, alle Ho­no­rar­kräf­te in ein so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges An­stel­lungs­ver­hält­nis zu brin­gen. Auch wenn die­se Form der An­stel­lung für die ar­beit­neh­men­den Mu­sik­schul­lehr­kräf­te eine ver­bes­ser­te Ar­beits­si­tua­ti­on dar­stel­len wür­de, fehlt es vie­len Mu­sik­schu­len an Mit­teln, um ihre Lehr­kräf­te in frei­be­ruf­li­cher Ho­no­rar­tä­tig­keit so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig an­zu­stel­len. 

Am 30. Ja­nu­ar 2025 be­schloss der Bun­destag eine Über­gangs­frist bis zum 1. Ja­nu­ar 2027 und sor­gt da­mit für eine tem­po­r­ä­re Er­leich­te­rung. Dem­nach ist bei ei­ner Prü­fung des Er­werbs­sta­tus von Lehr­kräf­ten durch einen Ver­si­che­rungs­trä­ger die Ver­si­che­rungs­pfli­cht erst ab dem 1. Ja­nu­ar 2027 not­wen­dig. Vor­aus­set­zu­ng da­für ist, dass die Lehr­kraft der Selbst­stän­dig­keit zu­stim­mt. Dies darf je­doch nicht dazu füh­ren, dass An­stel­lun­gen wie­der in Ho­no­rar­tä­tig­kei­ten um­ge­wan­delt wer­den.

Die im Jahr 2025 ver­öf­fent­lich­te Mi­KA­DO-Stu­die zum Nach­wuchs­man­gel in der Mu­si­ka­li­schen Bil­dung zei­gt, dass die­ses Be­rufs­feld des Mu­sik­un­ter­richts struk­tu­rell un­ter Druck steht. Sie macht sicht­bar, dass bis 2035 ein er­heb­li­cher per­so­nel­ler Eng­pass droht: Ei­ner gro­ßen Zahl al­ters­be­din­gt aus­schei­den­der Lehr­kräf­te steht eine deut­lich zu ge­rin­ge Zahl qua­li­fi­zier­ter Ab­sol­vent:in­nen ge­gen­über. Zen­tra­le Ur­sa­chen sind ne­ben Ar­beits­be­las­tung und Un­si­cher­heit ins­be­son­de­re un­zu­rei­chen­de Ver­gü­tung, man­geln­de Plan­bar­keit und ge­rin­ge ge­sell­schaft­li­che Wert­schät­zu­ng des Be­rufs

Der Deut­sche Mu­sik­rat (DMR) hat da­her Emp­feh­lun­gen zu „Ho­no­rar­un­ter­gren­zen und an­ge­mes­se­nen Ver­gü­tun­gen im Be­reich der mu­si­ka­li­schen Bil­dung“ er­ar­bei­tet. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen sind auf der Web­site des Deut­schen Mu­sik­ra­tes zu fin­den.