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Wo sind sie, die Chöre
und Bands, die Orchester, Tanz- und Instrumentalgruppen der Brandenburger
Schulen?
Haben wir keine musikalischen Schülerinnen und Schüler oder fehlt es an
engagierten Lehrern und Ensembleleitern?
Warum erleben wir trotz Ganztagsschulen und Bildungsschwerpunkt in der
Landespolitik seit Jahren einen quantitativen und qualitativen Rückgang
der Ensembletätigkeit?
Sicherlich, die vielfach notwendigen Umbrüche in der Schullandschaft
waren nicht förderlich für eine kontinuierliche qualitativ-künstlerische
Ensemblearbeit an den Schulen, doch die Mehrzahl der Probleme sind
hausgemacht. Helfen Sie mit, engagieren Sie sich, sorgen Sie in ihrem
Wirkungsbereich dafür, dass schulische Ensemblearbeit auf breiter Ebene
wieder möglich wird und Spaß macht!
Warum
brauchen wir ein Schulensemble?
Was in einer Stunde Musikunterricht pro Woche nur begrenzt zu leisten ist,
das wird in den Nachmittagsstunden möglich: Durch eigenes Musizieren und
intensives Erleben von Musik ein individuelles Verhältnis zur Musik
aufzubauen, sich zu öffnen für neue musikalische Erfahrungen. Diese Form
der musikalischen Bildung strahlt aus auf andere Bereiche der Kunst und
des Lebens, regt an zur eigenen Vervollkommnung, zum Erlernen eines
Musikinstruments oder zu qualifiziertem Musikkonsum in der Medienwelt und
als Konzertbesucher.
Eine Schule voller Musik ist eine Schule des freundlichen, respektvollen
Umgangs miteinander, in der Konflikte sachlich ausgetragen werden und
soziale Unterschiede an Sprengkraft verlieren.
In einer Schule voller Musik lernen die Schüler besser. Die intensive
Beschäftigung mit Musik befördert nachweislich das individuelle Lernvermögen
auch in anderen Bereichen, sie hat unschätzbaren Anteil an der Ausprägung
sozialer und kommunikativer Kompetenzen.
Eine Schule voller Musik ist weithin sicht- und hörbar. Ein gutes
Schulensemble ist ein Aushängeschild, über das die Schule mit der Region
verbunden ist, mit der Stadt, dem Dorf, der Musikschule, freien Trägern,
Verbänden und Vereinen. Um Schülernachwuchs braucht sich eine solche
Schule kaum noch zu sorgen.
Was braucht ein
Schulensemble?
1.
Engagierte,
kompetente und ideenreiche Musiklehrer
...finden sich in allen Regionen des Landes. Mit ihrem Musikunterricht
schaffen sie die Basis und sind Schaltstelle für musikalische
Ensemblearbeit an der Schule. Regulärer Musikunterricht von
qualifizierten Musiklehrern in allen Schulstufen ist somit die erste
Voraussetzung. Leider sieht die Realität insbesondere an den Grundschulen
anders und die Zukunftserwartung eher schlecht aus. Die Mehrzahl der
Musiklehrer hat das 50. Lebensjahr überschritten, eine
Pensionierungswelle steht bevor. Zu viele gut ausgebildete Absolventen der
Universität Potsdam gelangen derzeit nicht in den
Vorbereitungsdienst, erhalten keine Anstellung im Land oder wandern
aufgrund äußerst schlechter Vertragsbedingungen in andere Bundesländer
ab.
Viele Musiklehrer leisten bereits über Jahrzehnte eine hervorragende
Arbeit. Kompetenz ist allerdings kein Zustand, sie muss weiterentwickelt
und immer wieder neu erworben
werden. Nötig sind qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote. So
sind es vor allem Musikverbände, die mit hochwertigen Angeboten
aufwarten. Der Verband deutscher Schulmusiker, der Brandenburgische
Chorverband, der Arbeitskreis für Schulmusik, die Musikakademie
Rheinsberg und andere Mitglieder des Landesmusikrates werden nach
gemeinsamer Absprache ihre Fortbildungsangebote aufrechterhalten und verstärken.
Mit Sorge ist allerdings zu beobachten, dass sich die Teilnahmebedingungen
für Musiklehrer verschlechtern und sie z. T. für diese Fortbildungen
keine Freistellungen mehr erhalten.
2.
Motivierte und
befähigte Schüler
...brauchen Anregung, Erlebnisse und Herausforderungen. Ein
erfolgreiches in der Öffentlichkeit wahrnehmbares Ensemble, das sichtlich
Spaß an der gemeinsamen Arbeit hat, ist die beste Motivation für weiteres
Engagement und für den immer wieder erforderlichen Nachwuchs. Bewährungsmöglichkeiten
bei Wettbewerben und Begegnungen sind daher genauso wichtig wie gemeinsame
Erlebnisse bei Probenwochenenden und auf Ensemblefahrten.
Abgestimmte Ganztagsangebote von Musikschulen und freien Trägern, z.B. im
Instrumentalunterricht, schaffen notwendige Verbindungen und bereichern
die Ensemblearbeit.
3.
Kontinuität und
angemessene Arbeitsbedingungen
Ein gutes Schulensemble entsteht nicht an einem Tag. Es zu formen und
den einmal erreichten Stand über Jahre zu halten erfordert Kraft,
Phantasie und Durchhaltevermögen. Jede Schulschließung, Schulverlegung
oder Versetzung von Musiklehrern macht hier jahrelange mühevolle Arbeit
zunichte. Ensemblearbeit braucht Perspektive. Sie reicht von der
langfristig garantierten räumlichen und sachlichen Ausstattung bis hin
zur Absicherung des Ganztagsangebots und der erforderlichen Lehrerstunden.
4.
Aufmerksamkeit,
Anerkennung und Zuwendung
Gute Schulleiter haben es längst erkannt: Ein funktionierendes
Schulensemble ist Gold wert! Aber auch: Ein funktionierendes Schulensemble
braucht tatkräftige Unterstützung und Anerkennung!
Schulensembles haben nur eine Perspektive, wenn persönliches Engagement,
Interesse der Schule und politischer Wille zusammenkommen. Insofern sind
nicht nur Musiklehrer, Schulleiter und musikpädagogische Verbände
gefordert sondern gleichermaßen gesellschaftliche Kräfte, Schulämter
und Ministerien.
Deshalb
bitten wir das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport sowie alle 6
Schulämter Brandenburgs, sich in ihren Verantwortungsbereichen für die
Stärkung, Wiederbelebung und Neugründung brandenburgischer
Schulensembles einzusetzen, insbesondere durch:
-
Sicherung des
fachgerechten Musikunterrichts in allen Schulstufen
-
Einsetzung eines
kompetenten Ansprechpartners und Koordinators für das Fach Musik im
Ministerium für Jugend, Bildung und Sport
-
Änderung der
Einstellungspolitik gegenüber
Absolventen und jungen Musiklehrern
-
Sicherung von
mindestens 2 Lehrerstunden pro Woche für die künstlerische
Ensemblearbeit an jeder Schule
-
Einrichtung einzelner
musikorientierter Schulen im Land sowie unbürokratische Genehmigung von
Fachprofilierungen (z. B.
Chorklassen,
Bläserklassen, Streicherklassen)
-
Berücksichtigung außerunterrichtlicher
Ensemblearbeit bei notwendigen Versetzungen von Lehrern
-
Sicherung der
Teilnahme von Musiklehrern an Fortbildungsmaßnahme
anerkannter Landes- und Bundesverbände
-
Sicherung der Stunden
für langfristige musikspezifische Arbeitsgemeinschaften und
Ganztagsangebote
-
ideelle und
materielle Unterstützung von Fortbildungsangeboten, Wettbewerben,
Begegnungen, Probenwochenenden u.ä.
Potsdam, 16. Januar 2008
Ernst-Ullrich
R. Neumann
Präsident des Landesmusikrates Brandenburg
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